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1.4.2008
© Bild Zentralverband der Kleingärtner Österreichs
Artikel aktualisiert 1.4.2008
Kleingärten sind ein Stückchen vom Land mitten in der Stadt. Immer mehr Wiener wohnen das ganze Jahr in ihrem Kleingartenhäuschen.
Report
Garten-Zwerge in der Großstadt
Kleingärten sind ein Stückchen vom Land mitten in der Stadt. Immer mehr Wiener wohnen das ganze Jahr in ihrem Kleingartenhäuschen. Und immer mehr wünschen sich auch so eine Oase der Stille und Natur. Doch an einen Garten zu kommen, ist nicht leicht.
Von Fredi Themel
Vor seinem kleinen Häuschen im Grünen in der Sonne liegen, Obst von selbst gepflanzten Bäumen pflücken und dann bei einem feinen Gläschen Wein mit Freunden und Familie den Abend genießen. Dieser kleine Traum vieler Wiener lässt sich mit einem Schrebergarten sehr wohl innerhalb der Stadtgrenzen verwirklichen. Oft sogar mit direkter U-Bahn-Anbindung ans Zentrum.
Große Nachfrage nach kleinen Gärten
Doch die Nachfrage an Kleingärten - wie sie offiziell heißen - ist weit größer als das Angebot. Knapp 25.000 solcher Gärten sind derzeit in Wien vorhanden. "Jeder baut sich ein Schmuckhäuschen aus und gibt das dann innerhalb der Familie weiter. Zurückgegeben werden kaum welche", sagt Friedrich Hauk, Redakteur der Zeitung "Kleingärtner" und selbst Obmann eines Kleingartenvereins.
Das verwundert nicht. Bei einem Rundgang in der ausgedehnten Anlage auf der Schmelz im 15. Bezirk ist man einerseits erstaunt über die durchwegs perfekt gestalteten Gärten und die schnuckeligen Häuschen. So etwas gibt man ungern auf. Überraschend sind andererseits die vielen Neubauten, die größer ausfallen als das klassische Schrebergartenhäuschen. Dazu Biotope, Swimming Pools, Satellitenanlagen.
Trend zum vollwertigen Wohnen
"Die Kleingärten werden zunehmend zu vollwertigen Wohngebieten mit Grünanschluss. Es handelt sich nicht mehr um einen Freizeitaspekt, sondern um eine neue Wohnform für alle Bevölkerungsschichten", beschreibt Daniel Maerki die sich wandelnden Beweggründe der Kleingärtner. Er ist Geschäftsführer von "das fernlicht", einem auf das Wohnen der Zukunft spezialisierten Unternehmen, und hat eine empirische Studie über das Schrebergärtnern gemacht.
Nicht mehr das Gärtnern stehe im Vordergrund, sondern das Wohnen. Immer mehr Kleingärtner bauen richtige Wohnhäuser. Seit 1992 darf man sein Kleingartenhäuschen als Hauptwohnsitz anmelden. Laut Studie nutzen 28 Prozent ihren Kleingarten bereits das ganze Jahr über.
Lange Wartezeiten
Viele würden dies gern tun. Allein beim Zentralverband der Kleingärtner liegen 4.000 Anmeldungen für einen Kleingarten vor. Dazu kommen die in den 235 Kleingartenvereinen direkt angemeldeten Personen. Bis man an sein Stückchen Grün in der Stadt kommt, muss man oft bis zu sieben Jahre warten. Wer's geschafft hat, lässt sich seinen Traum ordentlich etwas kosten. Zwischen 40.000 und 150.000 Euro müsse man für ein bestehendes Häuschen hinblättern, meint Friedrich Hauk. "In meinem Verein hat jüngst jemand 195.000 Euro für sein Häuschen im Grünen bezahlt."
Stadt Wien bevorzugt Wohnbau
Die Stadt Wien könnte dem Zentralverband der Kleingärtner mehr Grünflächen übergeben, um die enorme Nachfrage zu befriedigen. Aus dem Büro des Wohnbaustadtrats Michael Ludwig heißt es dazu allerdings, dass Kleingartenanlagen nicht erstrangig behandelt würden. "Wien wächst so schnell. Der Wohnbau für Familien genießt Vorrang. An Kleingärten denken wir eher dann, wenn sich irgendwo etwas ergibt. Ein konkretes, verpflichtendes Programm gibt es da nicht."
Verständlich: Ein durchschnittlicher Schrebergarten hat um die 300 Quadratmeter Fläche. Aus der Sicht des Wohnbaus ist ein Kleingarten nicht wirklich effizient. Im mehrstöckigen Haus finden deutlich mehr Menschen ein Heim. Aber wahrscheinlich nicht ihren kleinen Traum vom Stückchen Land mitten in der Stadt.
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